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Historie

Thur - Hochwasser in der Geschichte

Hochwasser gehören zur Geschichte der Thur und ihrer Landschaft: Ohne sie wäre das Thurtal nicht, was es heute ist. Gemäss dem Artikel "Im Kampf mit der Thur" von Hermann Lei sen. im Thurgauer Jahrbuch von 1974 wird eine Thurüberschwemmung 1292 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, und zwar durch den Mönch Johannes von Winterthur. Es ist anzunehmen, dass die Thur mehr als einmal im Jahr über die Ufer trat.

Hochwasser im 18. und 19. Jahrhundert

So auch im Jahre 1768: Am 28. April schreibt der Weinfelder Obervogt nach Zürich, dass die Verwüstungen der Thur unmöglich wieder gut zu machen seien; das Wuhr sei weggerissen, Holz und Steine zur Wiederherstellung fehlten. Und noch bevor man sich rätig geworden war, wie man das fortgeschwemmte Wuhr ersetzen könnte, verwüstete die Thur am 10./11. Juni erneut das ganze Gebiet. Gegen Ende Sommer wurde das Wuhr neu gebaut und im Mai 1769 eingeweiht, wenige Wochen bevor ein erneutes Hochwasser auch dieses wieder zerschmetterte. Das ganze Tal sei ein trüber See, meldete der Obervogt nach Zürich.

Die grösste Wassernot der Überschwemmungsgeschichte bis 1974 sei am 29./30. Juni 1789 eingetreten, vermeldet Hermann Lei sen. in seinem Bericht. "Vom Weinfelder Marktplatz konnte man im Schiff über das ganze Sangerfeld bis zur Brücke hinaus fahren." Auch 1817 drang das Wasser bis zum Marktplatz vor, was die Weinfelder Jugend dazu brachte in Waschzubern von "der Farb unter den Linden bis zum Sternen (im Jahre 1974 die Kantonalbank)" zu rudern. Ein letztes Mal erreichte die Thur 1852 den Marktplatz.

1874 stand die damalige Ortsgemeinde Bonau fast vollständig unter Wasser. Auch 1876 war es der 10. Juni, der Hochwasser brachte - wegen eines regionalen Regengusses traten auch die Bäche übers Ufer. Eine ganze Kiste mit Bussliger (Bussnanger) Zivilstandsakten wurde in Rüdlingen am Rhein wieder gefunden! Und 1881 erreichte der Pegelstand in Andelfingen 9,5 Meter. Auch 1888 herrschte wiederum Hochwasser an der Thur, in Eschikofen wurde der Strassendamm geöffnet und das Wasser ergoss sich bald 5 Meter tief ins Land, die Spitze war aber gebrochen.

Hochwasser im 20. Jahrhundert

In der "Kleinen Weinfelder Chronik" findet man für das Jahr 1910 wieder einen eindrücklichen Eintrag über ein Hochwasser am 15. Juni. Die provisorische Holzbrücke der Mittelthurgau-Bahn (Konstanz - Weinfelden - Wil) wurde fortgespült. "Ein trauriger Anblick waren fünf Kühe, an die Krippe gefesselt, und Schweine, welche die Thur hinunter trieben, ohne dass es möglich gewesen wäre, sie zu retten." Dabei war der Lauf des Flusses ein Stück weiter südlich neu gelegt worden, die Thur floss also weiter weg vom Dorf als ehedem!

Im Beitrag von Hermann Lei sen. im Thurgauer Jahrbuch 1974 war die Überschwemmung von 1965 das letzte grosse Ereignis: "Und heute, sind wir sicher vor den Verheerungen der Thur? Müssen wir noch 1965 in Erinnerung rufen? Im Sommer dieses Jahres erlebte der Thurgau eine Wassernot, wie man sie kaum mehr für möglich gehalten hätte. Die Thur trat über die Ufer, sprengte Dämme und führte Strassen hinweg. Schon im Oberlaufe fanden drei Männer im reissenden Strom den Tod. In Weinfelden lag der Fussballplatz am Abend des 10. Juni einen Meter unter Wasser. Wenige Stunden später brach der Thurdamm unterhalb der Pfyner Brücke. Ein gewaltiger See überflutete die Frauenfelder Allmend. 600 Schafe wurden vom Wasser überrascht. Mit Schlauchbooten konnten die Feuerwehrleute 590 Tiere retten, während 10 ertranken.(...)".

Laut der "kleinen Weinfelder Chronik" war nicht etwa wirklich Ruhe zwischen 1910 und 1964, vermerkt werden mindestens drei weitere Hochwasser, nämlich 1919, 1939 und 1954.

Hochwasser und Abflussmengen:
1910:                   870 m3/s
1964:                   614 m3/s
1965: (10. Juni)   760 m3/s
1977: (31. Juli/1. August)  1'115 m3/s
1978  (7./ 8. August)          1'185 m3/s
1999 (12. Mai)     920 m3/s
2013 (1. Juni)    1'010 m3/s
 
Die Schäden des 1978 - Hochwassers beliefen sich damals laut Rechenschaftsbericht auf insgesamt über 8.6 Millionen Franken. 850 Mann des Genieregiments 6 standen dem Kanton mit samt ihrem Material für die Aufräumarbeiten zur Verfügung.
Aufgrund der hohen Schäden der Hochwasser von 1977 und 1978 wurde das Thurrichtprojekt von 1979 (TRP79) für den Thurgau ausgearbeitet. Sein Kernsatz lautet: "Das Thurvorland gehört der Thur".  Am 29. März 1982 wurde das TRP79 vom Parlament angenommen. Dieser Teilrichtplan 79 ist auch heute noch nicht an allen Stellen umgesetzt worden.
Das Projekt "2. Thurkorrektion" enthält auch die noch nicht erledigten Verbesserungsprojekte aus dem TRP 79. Die aktuellen Bauprojekte sind Bestandteile davon. Berichte und Studien zur 2. Thurkorrektion gehen in der Regel davon aus, dass alle Projekte des TRP 79 umgesetzt sind.