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Landschaftselemente

Folgende Landschaftselemente prägen die Landschaft im Thurtal:

Mittelgerinne
Als Mittelgerinne wird der Flusslauf bezeichnet, der immer vom Wasser durchflossen wird, also selten trocken fällt. Wasserbaumassnahmen korrigieren vor allem dieses Mittelgerinne. Bei der ersten Korrektion 1890 erhielt die Thur ein abgesenktes, gerades Flussbett, das einen möglichst schnellen Durchfluss garantierte. Dadurch wurden eintönige Verhältnisse geschaffen: Fliessgeschwindigkeit und Wassertiefe variierten nur wenig. Fische und andere Lebewesen finden in einem solchen Mittelgerinne keine Deckung mehr. Ökologisch besonders ungünstig ist die Verfestigung der Flusssohle zu einem Belag, der keinerlei Zwischenräume mehr aufweist. Im Laufe der zweiten Korrektion (ab 1993) wird das Mittelgerinne variantenreicher gestaltet und dem gesamten Flusslauf mehr Platz eingeräumt.

Vorländer
Zwischen Flussbett und Dämmen liegen breite Vorländer, die bei Hochwasser überflutet werden. Heute werden sie als Wiesen, Weiden oder Ackerland genutzt. Die Vielfalt der Fauna und Flora ist hier gering. Typische Flussuferarten werden durch die landwirtschaftliche Nutzung vertrieben, Kulturlandarten dagegen ertragen die regelmässigen Überschwemmungen nicht.
So setzt sich die Tierwelt aus den häufigsten Feldarten zusammen, welche nach den Hochwassern aus den umliegenden Äckern und Wiesen jeweils rasch wieder einwandern. Auch bei den Pflanzen dominieren häufige und unempfindliche Arten. In renaturierten Abschnitten dagegen nimmt die Biodiversität entscheidend zu. So brüten auf den Kiesbänken vor Niederneunforn wieder Flussregenpfeifer. Hier nähert sich die Thurlandschaft wieder einem intakten Lebensraum an.

Dämme
Artenreiche Tier- und Pflanzengemeinschaften leben an den Thurdämmen. Deren steile Böschungen eignen sich nicht für eine intensive Nutzung, und bei Hochwasser können sich die Tiere auf die andere Seite des Dammes retten. Spezielle Bereiche für Wildbienen wurden schon beim Errichten und späteren Bepflanzen der Dämme berücksichtigt. An den Dämmen wurde eine artenreichere Saatmischung ausgebracht als in den Vorländern. Besonders schützenswerter alter Baumbestand wurde bei den Renaturierungsarbeiten stehen gelassen.

Auen
Da innerhalb der Hochwasserdämme Gehölze entfernt werden, sind die typischen, jungen Weichholzauen, in denen Weidengebüsche mit Pioniervegetation und Sand- und Kiesflächen abwechseln, fast vollständig verschwunden. Die heutigen, alten Auenwälder gehören zu den sogenannten Hartholzauen. In diesen gedeihen Baumarten wie Esche, Ulme und Bergahorn. Sie werden nur noch teilweise durch Hochwasser überschwemmt, weil die meisten Flächen ausserhalb der Thurdämme liegen. Erhalten bleibt ihr Auenwaldcharakter dank dem hohen Grundwasserspiegel und den Rückstaus der Binnenkanäle.
Im Gegensatz zu früher werden die Auenwälder heute wie andere Hochwälder bewirtschaftet. Altbestände sind selten. An manchen Stellen wurden Fichtenschonungen oder Pappelpflanzungen angelegt. Als Folge dieser Bewirtschaftung nahm die Beschattung des Waldbodens zu. Die an lichte Auenwälder gebundene artenreiche Krautschicht erträgt dunkle Lichtverhältnisse jedoch schlecht. Sie verarmt daher zusehends.

Ein spezielles Augenmerk der Förster im Kanton Thurgau gilt der gefährdeten Auenwald - Baumart "Populus Nigra", der Schwarzpappel. In früherer Zeit unter dem Namen "Thur-Eiche" beliebt bei Schreinern und Zimmerleuten, ist sie von Hybriden fast verdrängt worden. Erstaunlich viele artenreine Exemplare wurden entlang der Thur gefunden. Diese versucht man nun wieder zu kultivieren und aus zu pflanzen - was allerdings nicht so einfach ist.

Die Auenflächen von nationaler Bedeutung an der Thur:  Flyer Auenwälder
 

Altläufe
An manchen Stellen in den Auenwäldern sind Altläufe erhalten geblieben. Sie stammen aus der Zeit vor der ersten Korrektion, als die Thur im Tal noch mäandrierte. Dabei kam es vor, dass einzelne Abschnitte vom fliessenden Wasser abgetrennt wurden. So entstanden stille Gewässer mit stark reduziertem Wasseraustausch und meist stärkerer Erwärmung.
Die Ufer der Altläufe sind meist mit Röhricht oder Riedvegetation überwachsen. Im Wasser breiten sich Unterwasser- und Schwimmpflanzen aus. Hier ist die Vielfalt von Libellen und Amphibien besonders gross. Auch der stark gefährdete Laubfrosch ist in diesen Gebieten noch zu finden.

Binnenkanäle
Ökologisch wertvoll sind auch die Binnenkanäle. Die seitlichen Zuflüsse zur Thur werden darin gesammelt und bis an eine Stelle weitergeführt, die aus technischen Gründen für einen Durchbruch im Thurdamm geeignet ist. Die Binnenkanäle nehmen auch das an mehreren Stellen austretende Grundwasser auf. Das Wasser der Binnenkanäle ist deshalb kühl und klar.
Stellenweise gedeiht eine artenreiche Unterwasservegetation. Im Gegensatz zur Thur und den belasteten Seitenbächen ist das Sohlenmaterial locker, vielfältig und nicht verschlammt. Für die Fischfauna des Thurgebiets bieten die Binnenkanäle heute wichtige Lebensräume und Laichplätze.

Neophyten
Problematisch ist die Ausbreitung von invasiven Pflanzen in den renaturierten Abschnitten. Auch bei künftigen Abschnitten wurde mit regelmässigen Bekämpfungsaktionen begonnen, um die bevorstehenden Bauarbeiten einfacher zu gestalten.